Interview mit Claudio Menconi: Kulinarischer Skulpteur der Toskana

Mein Interview mit Claudio Menconi: Kulinarischer Skulpteur der Toskana. Auf diesem Bild erscheint eine zarte Rosa, die Claudio Menconi aus Rohschinken geformt hat.

Liebe Gourmets, in diesem Interview möchte ich Ihnen einen toskanischen Meister der kulinarischen Skulptur vorstellen: Claudio Menconi. Als erfahrener Chef-DekorateurExperte für  Schnitzkunst sowie für die Technik des Food Carving, begeistert Claudio Menconi die Zuschauerinnen mit seiner Kreativität und seiner Leidenschaft. Von Obst (frutta) über Gemüse (verdura), von Milchprodukten (prodotti caseari) bis hin zu Wurstwaren (salumi)  verwandelt dieser große Künstler jedes Lebensmittel in faszinierende Skulpturen! Meine Anerkennung für deine herausragende Kunstfertigkeit! Ich danke dir ganz herzlich für deine Zeit.

 

Lieber Claudio, wie ist deine Leidenschaft für kulinarische Skulpturen entstanden?

Schon seit der Mittelschule in Italien liebte ich das Fach Zeichnen; ich war besonders versiert bei der Arbeit mit plastischen Materialien wie zum Beispiel Ton und Gips. Ursprünglich stamme ich aus Carrara, eine Stadt die eine sehr starke Verbindung zur Kunst, zum Material (Marmor) und zur Bildhauerei hat.

Wann fing deine Karriere in der gastronomischen Welt an?

Nach meiner Mittelschulreife hätte ich eigentlich gern das Kunstgymnasium besucht. Ich entschied mich jedoch die Hotelfachschule (Istituto alberghiero) mit Schwerpunkt Küche am staatlichen Berufsbildungszentrum G. Minuto in Marina di Massa zu absolvieren. Dieser Bildungsweg war wirklich sehr interessant. Im letzten Schuljahr begann ich in dem renommierten Hotel Principe di Piemonte in Viareggio zu arbeiten Im Rahmen dieser ersten Berufserfahrung konnte ich die choreografischen Präsentationen der Speisen bei Hochzeitszeremonien sowie Gala-Events miterleben. Besonders beeindruckend war ein Koch dort, der sehr geschickt bei der Bildhauerei aus Margarine und Butter war…

 

Welche sind die Grundsätze der Lebensmittelskulptur, die du erlernt hast? 

Der Stammvater dieser Disziplin ist Giuseppe Arcimboldo, ein italienischer Maler des 16. Jahrhunderts. Er realisierte Werke, die auf Früchten, Gemüse sowie anderen Elementen basierten. In seinen Gemälden stellte er die Motive durch die Früchte- und Gemüseformen dar. Diese Technik ist bekannt als Paroiodelie und besteht in der Interpretation eines Motives durch andere Elemente. So realisierte Arcimboldo seine Gemälde durch die Kombination verschiedener Elemente und nutzte dabei deren Farbe und Formen.

Claudio, wie hast du die Lebensmittelskulptur gelernt?

Diese Technik habe ich langsam gelernt. Eigentlich forme ich nicht das Material, sondern ich schneide und entferne das Überflüssige. Meine ersten Erfahrungen waren nämlich Reliefs und sie waren fast alle floraler Art: keine menschlichen Gesichter, sondern ausschließlich Blumen. Ich begann in der Tat die unterschiedlichsten essbaren Materialien wie zum Beispiel Salzteig und Gemüse zu schnitzen. Gemüse ist ein besonders Material, da gerade dank seiner Farbe und Form, es zeigt uns, was dahintersteckt. Die Skulptur vom Gemüse ist eine sehr dynamische Erfahrung.

 

Welche waren die ersten Erfahrung in diesem Bereich?

Ganz am Anfang arbeitete ich als Dekorateur-Chef (chef decoratore) bei offiziellen Anlässen wie zum Beispiel Hochzeitfesten. Parallel dazu war ich als Lehrer bei der Hotelfachschule in Barga tätig, wo ich jungen Schülern ihre künftige Arbeit beibrachte. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer wieder weitergebildet und somit an bedeutenden Fachlehrgängen wie z.B. Gemüseschnitzen und -skulptur sowie Eisskulptur teilgenommen.

 

Du hast an vielen Fernsehsendungen teilgenommen. Was zeigtest du den Zuschauern?

Mein Einstieg in die italienische Fernsehwelt begann 2002. In diesen Jahren habe ich an verschiedenen Programmen teilgenommen, in denen ich im Rahmen unterschiedlicher Rubriken meine Technik sowie die Gestaltung von Motiven aus Lebensmitteln präsentierte. Diese Erfahrungen waren äußerst bereichernd und interessant sowohl für die Zuschauer als auch für mich. Ich freue mich wirklich sehr, meine Leidenschaft mit dem Publikum geteilt zu haben.

 

Claudio, hast du auch Preise im Laufe deiner Laufbahn gewonnen?

Ja. Ich habe verschiedene Auszeichnungen sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene gewonnen, u.a. die Bronzemedaille bei den Nationalen Meisterschaften von Treviso, (2000), die Silbermedaille bei den internationalen Meisterschaften von Italien in Massa Carrara (im März 2022), die Goldmedaille im Weltcup beim internationalen Kochwettbewerb ‚Expo Gast Culinary‘ in Luxemburg (2006) und die Bronzemedaille bei der Olympiade der Köche‘ in Erfurt (2008).

 

Welche Aktivitäten bietest du im Rahmen deines Berufes?

Heute bin ich besonders aktiv als Dozent für Lebensmittelskulptur; ich biete u.a. den Kurs Fruit Food Carving und als Koch für Workshop toskanischer Küche. Ich bin noch Brand Ambassador für die Marke Simani Sartorie, eine traditionsreiche toskanische Schneiderei, die Berufsbekleidung für für die Gastronomie- und Beherbergungsbranche herstellt.

Ich danke dir, Claudio. Meine herzlichsten Glückwünsche zu deinem Talent und deiner Meisterschaft!